Vor ein paar Wochen unterhielt ich mich mit der Greater (Name nicht geändert) sehr angeregt über Karen Duve, J.S. Foer, Tiere essen, keine Tiere essen, doofe Veganer, leckere Cheeseburger etc. pp..
Kurz davor war ich in der Mayerschen (ihr erinnert euch) in die Ernährungsecke gefallen, wo mir meine alte Freundin “Skinny Bitch” wiederbegegnete. In diesem Buch wird sehr drastisch geschildert, warum man unbedingt vegan leben sollte. Als ich es vor 3 Jahren las, habe ich einige Wochen fast gar nichts mehr gegessen, da es in Deutschland durchaus schwerer ist, sich vegan und lecker zu ernähren. Ich glaube, das war auch der Grund, warum ich aufgegeben habe.
Der Titel “Tiere essen” sorgte für mildes Amüsement bei mir dem Bio-Omnivor (der Omnivoreuse?), ohne ihn jemals gelesen zu haben. Ich ernähre mich bewusst, gesund, bio; ich kaufe nicht das Billigste weil ich was gegen schreckliche Tierhaltung habe und ich habe mich auch schon mal getraut ein PETA Video zu schauen (obwohl die auch nicht ganz kosher sind). Aber ich habe es auch ganz schnell wieder vergessen, bzw. weeeeeeeeeit hinten in meinem Kopf verstaut.
Ulkigerweise predige ich seit einiger Zeit meinen Mitmenschen, daß das Leben sehr viel leichter und gesünder wird, sobald man aufhört, sich selber zu belügen. Als Beispiel brachte ich dann immer Liebesbeziehungen oder das leidige Thema mit den Zigaretten, obwohl ich hoffentlich weit davon entfernt bin, ein “Weltverbesserer” zu werden (then again: warum hoffentlich? Was ist denn an einem Weltverbesserer so schlimm?).
Also, sagte ich dann immer, wenn man sich mal ganz klar bewusst macht, dass man sich vergiftet und dass am Rauchen nun wirklich nichts postivies dran ist…blablabla, yaddi yaddi yaddi.
Dann las ich kürzlich ein Zitat von Karen Duve zum Thema “Bewusst Essen”:
Auch Bio-Schweine werden nicht totgestreichelt.
Bäm, da hatte sie mich.
Der Satz schwirrt mir seit Tagen im Kopf rum. Er macht ganz komische Sachen mit mir, wo doch meine beste Freundin sagt: “Wenn Kräuterbutter drauf ist ist’s vegetarisch.” und meine Jungs schreien: “Fleisch ist mein Gemüse”. In einem Land, wo Fleischverzehr fast zum guten Ton gehört und selbst im hippen Berlin-Mitte noch längst nicht in jedem Lokal ein vegetarisches Gericht serviert wird. Wo ich Vegetarier doch totaaaaaaaaaal scheisse finde und mir letztes Jahr noch eine Jacke aus Karnickelfell gekauft habe. Ich darf quasi gar nicht. Und doch wird mir plötzlich sehr deutlich, wie viel totes Tier um mich herum und an mir dran ist. Hätte ich das auch, wenn ich es selber fangen und töten müßte? Wahrscheinlich nicht. Die armen Viecher bekommen im “humansten” Fall einen Bolzen zwischen die Augen. Oder sie werden geschächtet. Nicht schön.
Deutlich kommen mir auch Passagen aus Skinny Bitch in Erinnerung: Do you really want to put a rotting carcass inside you? Eigentlich nicht. Also so gar nicht.
So viel zum Thema “Sich Selbst Anlügen”. So ungern ich es zugebe, manchmal muss man sich zwingen, die Ignoranz und den Sarkasmus (“mir doch egal wie das Ding lebt oder stirbt, Hauptsache es schmeckt”) mal in den Arsch zu treten…im Ernst. Es handelt sich um Lebewesen, ich könnte und würde keins töten (Ok, stimmt nicht. Mücken, Fliegen und Kakerlaken habe ich schon ermordet.) und ich denke, das geht den meisten Leuten so. Wer diese Tatsache immer nur wegschiebt, ist doof.
Bin ich jetzt vegan und werfe alle meine Lederschuhe, Daunendecke, Gummibärchen, Fellprodukte weg?
Nein.
Denke ich darüber nach und habe gerade wirklich überhaupt keine Lust irgendetwas aus Tier zu essen?
Ja.
Mal schauen was draus wird.